_Pappmaché

  1. Abgetragen
  2. Halbmaschinen
  3. Bewegung

Wenn ein Künstler sich die Fachbezeichnung für ein Gemisch aus Papier und Kleister als Künstlernamen aussucht, aus dem sich leichte, relativ große, kostengünstige und recht stabile Plastiken formen lassen, sollte das seinen Grund haben. Soweit es die Musik des Hamburger Liedermachers Christoph Kohlhöfer a.k.a. _pappmaché betrifft (Bitte den initialen Unterstrich zu beachten!), ist dies auch so.

Aus dem hessischen Gießen stammend, betritt Kohlhöfer die Elbstadt, um dort Literatur- und Medienwissenschaft zu studieren. Ursprünglich ein Solo-Projekt mit Keyboard-Beats, gesampleten Gitarren-Spuren und diversen Lo-Fi-Tugenden, entwickelt sich _pappmaché hier mit dem Schlagzeuger Tobias Noormann zum elektroakustischen Duoprojekt, der den Singer/Songschreiber live als Multiinstumentalist zwischen Drumpad und Bassgitarre, Sampler und Glockenspiel umgibt. Als recording artist ist/sind _pappmaché beim 2005 von Gisbert zu Knyphausen gegründeten gesamtdeutschen Songwriter-Label Omaha zu Hause.

Wie zwei zentrale Instanzen ziehen sich Zorn und Hirn durch _pappmachés reduzierten Sound und die einfallsreich bebilderten Texte. Geht es in etwa sozialpolitisch motivierten Liedern in der Regel selten über ein begründetes Bedauern und Klagen gegen ein System hinaus, das u.a. Ausgrenzung befördert, vollzieht Kohlhöfer statt der Opferrolle einen Paradigmenwechsel als Refrain, bei dem das System selbst ausgegrenzt wird: „Wir gehören nicht dazu“.

Dass er dies nicht laut, aber leise, beharrlich, repetitiv tut, lässt den Eindruck umso kraftvoller, eindringlicher, unmißverstehbarer werden. Ein Korrektiv, das gut tut. Folk music der Post-Post-Moderne. Relevant.

Raum & Zeit

  • Kulturbuchladen MaKULaTUR
  • Lübeck, 30. Januar 2013

Credits

  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera/Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera: Thomas Nicolaisen
  • Ton: Peter Raffaelli
  • Standbild: Christoffer Greiß