Albino feat. DJ Kallsen

  1. Regenbogenleben
  2. Tagein tagaus
  3. Unbegreifbar
  4. Liebeslied

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Darüber, dass Relevanz eine positive künstlerische Größe darstellt, dürfte allgemein Konsens bestehen. Auch und umso mehr, wenn das Erkennen von Relevanz in einer künstlerischen Äußerung mit einem kraftvollen Bedrücktheitsgefühl durch etwa abstoßende Mensch-Zustände und ihre Beständigkeit einhergeht. Etwa, wenn man heute (2016), in einer Zeit, in der Meldungen über in Brand gesetzte Flüchtlingsunterkünfte in D'Land schon fast zur Normalität geworden sind, ein Stück HipHop hört, dessen Text sich dezidiert mit so einem konkreten Vorfall in Lübeck befasst – der aber bereits 1996 geschah. 20 Jahre und. Schmerzliches Erkennen.

„Lübeck“ heißt die Nummer und war die erste professionelle Studioaufnahme des Lübecker Rappers Albino. Als Matthias Albrecht 1974 ebenhier geboren, gilt er unter Szenekennern als nicht-bestechliche Persönalität des deutschen Rap, Generation Zwei nach Pionieren wie Advanced Chemistry.

Ein Songtitel wie „Tatort Bonn“ spricht unmissverständlich Bände. Ebenso „Ohne Rechte“, wenn man weiß, dass nicht zuletzt die Tierrechte in der neoliberalen Lebensmittelindustriegesellschaft dem Veganer Albino ein Herz am Bein sind. Als sein Debütalbum „Vertuscht & Verschleiert“ 2000 erschien, war er Gründungsmitglied der Tierbefreiungsinitiative Kiel (inzwischen aufgelöst), wurde 2011 im Stern-Titelthema „Fleischlos glücklich“ zitiert und 2006 zum Thema bei Tracks auf Arte gesehen.

Posing, große Hosen, Macho-Sex-Reporte, bitches, Kohle, Koks und Knarren sind nicht, worum es dem Mann geht, allenfalls auf der Metaebene. Authentisch, Baby. Conscious Rap. Gepitchte Soul-Samples, ökonomische, federnde Beats: Klar und rigoros deutlich. Lebendgehäckselte Hühnerküken und andere kontra-loungige Unaussprechlichkeiten der Wegwerf-Society. Texte, die um die Verflochtenheit von politischen Einflüssen und persönlichen Bezügen wissen, Sozialkritik, Ökologie und Rudi Dutschke per Selbstreflexion in Kommunikation versetzen. Eindringlich, weil nicht auf die Fresse. Kein sloganistisches Herumgereime, sondern transparenzspendende Beschäftigung mit komplexen Sachverhalten, wohl oder übel. Kraft statt -ismen. Albino, nicht Jauch.

Raum & Zeit

  • Buchhandlung maKULaTUR
  • Lübeck, 03. Juni 2015

Credits

  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera/Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera: Thomas Nicolaisen
  • Ton: Peter Raffaelli
  • Standbild: Christoffer Greiß