Alex Highton

  1. I left the city
  2. You've got the trees
  3. Song for someone
  4. Fed all your lines
  5. Everybody loves you when you're dead

Junge aus Liverpool geht zur Uni nach London, bleibt 10 Jahre und flieht die Stadt schließlich mit Frau und Kindern Richtung Cambridge, ins ländliche Kaff Woodditton. Hier schreibt er ein paar Songs über diesen seinen Weg und veröffentlichte sie 2013 auf seinem Debütalbum "Wooditton Wives Club“. Die britische Presse horcht auf, Vergleiche mit sowohl Lennon und McCartney im selben Atemzug machen die Runde, während das Magazin Rock Classic's das Album gleich als das vielleicht beste des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Ein zumindest gewagter Vergleich, der sich als solcher jedoch etwas relativiert, wenn man dem Mann zuhört.

Alex Highton ist ohne jeden Zweifel Folk-Musiker, ein Mann, der Songs schreibt und sie zur akustischen Gitarre singt, ein aufrechter und aufrichtiger Real-Romantiker, witzig, charmant, geradeaus, jemand, den man in jeder Sekunde glaubhaft finden mag. Ebenso unzweifelhaft ist Hightons musikalische Überdurchschnittlichkeit. Die freundlich melancholischen Melodien sind eingängig, bleiben aber nicht als nervige Ohrwürmer haften, sondern als Begleiter, und sind komplexer als sie scheinen. Ebenso übersteigt das ausgefeilte Fingerpicking die üblichen Standards: Die meisten dieser dezent realisierten Songbegleitungen könnten auch als Instrumentalstücke bestehen. Wobei es schade um die Texte über Alltagsformen, das Verlassen der Großstadt, einen privaten Swingerclub und andere Überraschungen des Landlebens wäre. Tja.

Beeinflusst von US-Größen wie Harry Nilsson und Randy Newman, den Beatles und von zeitgenössisch britischem Humor unterfüttert, verfügt Hightons zeitgenössischer Folk (nicht: Neo-Folk) über ordentlich Pop-Appeal. Das Erbe prägender Größen, die den Brit-Folk in den 1960er Jahren vor dem Nostalgie-Tod bewahrten und als Songschreiber ebenso Maßstäbe setzten wie als Gitarristen, ist homogener Bestandteil von Hightons Stil: Bert Jansch und John Renbourn (Pentangle) etwa, Roy Harper, Nick Drake. Leute, deren Arbeit schon Led Zeppelin, Neil Young und Radiohead beeinflusst hat und fest in den Kanon des internationalen „tower of song“ eingeschrieben ist.

Unabhängig davon, dass das Leben nicht gerecht ist, sollte dies auch Alex Highton beschieden sein.

Raum & Zeit

  • Buchladen MaKULaTUR
  • Lübeck, 16. April 2013

Credits

  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera/Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera: Thomas Nicolaisen
  • Ton: Peter Raffaelli
  • Standbild: Christoffer Greiß