Aline Westphal

  1. Die Kulturgeschichte der Luftgitarre (Kurzversion)
  2. Ready To Rock-Show (Performance)

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Siehe auch: Aline Westphal im Interview

Musik liegt in der Luft. Ja. Man kennt das. Volksmund. Mhm. Aber: Jemand wie Aline Westphal sieht das anders / sieht da anderes. Sie greift zu, packt die Musik, erwischt sie, hängt sie sich um, atmet sie ein, schüttelt sie aus und macht uns fühlen, was wir nicht sehen.

Aline Westphal ist Luftgitarristin. 2011 holte sie im nordfinnischen Oulu als erste den Luftgitarrenweltmeistertitel nach Deutschland. Ein Erfolg, der damit zu tun hat, dass „The Devil's Niece“ (Bühnenname) alles andere ist als irgendwer. Den Untiefen bestimmter, nicht immer unzutreffender Luftgitarristen-Vorurteile – Metalhead, gestört, End-30er Soziopath, der bei Mutti wohnt etc. – entgeht die gebürtige Hannoveranerin (* 1984) durchweg.

Zum Einen per Selbstironie. Generös spürbar, tut sie weder der Durchschlagskraft noch dem substanziell Künstlerischen der Performance einen Abbruch. Ein gefaketer Halswirbelbruch durch Headbanging etwa, sauber und laut als Audio-Element in den Soundtrack eingefügt, ist nicht nur lustig, sondern auch folgerichtig. Ein Ursache-und-Wirkung-Resultat, ein Aggregatzustand, in dem das Unsichtbare physisch ahnbar wird. Baby.

Aber vor allem ihr Weg zu dieser ihrer Kunst und die Idee, die eigentliche Performance mit dem Vortrag einer Kurzversion ihrer Diplomarbeit zu verbinden, kontrastiert Aline Westphal von gängigen Luft-Klischees: Ihr Studium der Szenischen Künste in Hildesheim (2005-2012). Dozent und Initiator des Luftseminars war Medienwissenschaftler Dr. Mathias Mertens, der sich vorher als Computerspielexperte und Mitinitiator des Brickfilm-Festivals (Animationsfilme mit Legosteinen) einen Namen gemacht hatte. „Ohne ihn“, räumt Teufelsnichte Westphal ohne Zögern ein, „wäre ich niemals, niemals, niemals zur Luftgitarre gekommen. Eine Rockröhre wäre ich vermutlich trotzdem geworden, aber ohne das rockgeschichtliche Nerdwissen und ohne die extrem coolen Bühnerfahrungen als Möchte-Gern-Rockstar.“

Raum & Zeit

  • Buchhandlung maKULaTUR
  • Lübeck, 13. November 2014

Credits

  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera/Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera: Thomas Nicolaisen
  • Ton: Peter Raffaelli
  • Standbild: Christoffer Greiß