Broca Areal

  1. Puppen
  2. Ich so er so
  3. Fernbedienen
  4. Kampfmittelräumdienst
  5. Bauer

Das Broca Areal ist eine Region der Großhirnrinde, die neben dem Wernicke-Areal als eine der beiden Hauptkomponenten des Sprachzentrums für die motorische Funktion zuständig ist. Wenn das dynamische Duo Wolf Hogekamp und Lino Ziegel sich danach benennt, hat das seine Bewandtnis darin, dass ihre Version von Spokenword direkt musikalisch kommuniziert wird: Motorik, Bewegung, Kinetik. Ein wechselseitiger Antrieb bei Ziegel und Hogekamp, denen diese Art Liveliteratur im Songformat mit gesprochenen Songtexte naheliegend schien, da Poetry-Slam-Sprache ohnehin oft rhythmisiert ist, groovt.

Wolfgang „Wolf“ Hogekamp (auch Filmemacher und Buchautor - „Es regnet Ponys“), der den Poetry Slam 1994 mit dem Start der ältesten deutschsprachigen Slam-Reihe in Berlin in den deutschen Sprachraum holte, gilt spätestens seit der ersten deutschsprachigen Meisterschaft1997 als Vaterfigur. In seinen Texten begleitet er das Verschwinden der Sprache (nicht: des Sprechens) und wickelt auf harten Beats und reduzierten Flächen „die alltäglichen Liquidierung der Metaphysik und der gängigen Exit-Strategien aus neoliberalen Kaffeekränzchen“ ab. Lino Ziegel – selbst auch Wort-Mann, jedoch nicht bei Broca Areal – pfeffert genau dosierte Noise-Fragmente und kommentierende Stimmsamples von John Lydon (Public Image Limited) oder Bow Wow Wow (“I Want Candy“) zwischen die anarchisch humorvollen Texte und generiert so eine Art dritter Dimension. Er lässt Räume entstehen und knöpft vorproduzierte Klänge so aus dem Sampler, dass kein Gedanke an eine „leblose“ elektronische Musik aufkommt.

Kein überladener Mix, sondern wohlüberlegte Umsetzung, lieber unvorhersehbar als konfektioniert. Basisdemokratisch. Eine echte Band.

Raum & Zeit

Credits

  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera/Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera: Thomas Nicolaisen
  • Licht: Christian Kopplow
  • Ton: Peter Raffaelli