deep strings

  1. Intro
  2. O.K.
  3. Quand tu dors mon enfant
  4. Tango Berlin
  5. En Passant

Titel anklicken, um zum Lied zu springen

wolkenkuckucksheim.tv EXTRA: Alles bleibt anders. Teil 3.

September 2013. Wir wollten mal raus. Zwischendurch. Kucken, wie das ist. Groß sein. Welt sehen. Das führte in die Schlauchfabrik SHP Primaflex in Ratekau im Lübecker Speckgürtel. 4 mal Musik bzw. Spokenword zwischen Schläuchen jeder Art und Größe. Sondergleichen, meine Damen und Herren. Als dritte – nach dem fabelhaften René Möllmer und dem exzeptionellen Sebastian 23 –  traten die deep strings ins Licht, ein Ensemble, das deutlich mehr ist als die Summe seiner wenigen Anteile.

deep strings ist ein Duo mit zwei Frontleuten: Cellistin und Sängerin Anne-Christin Schwarz, und Komponist, Cellist und Kontrabassist Stephan Braun. Nachdem man gemeinsam am Musikgymnasium Schloss Belvedere in Weimar abgeschlossen hat, beginnt die Frontfrau in spe ein Studium an den Musikhochschulen Franz Liszt (Weimar) und Hanns Eisler (Berlin). Erste Auszeichnungen und diverse Engagements in klassischen und Jazz-Formationen folgten, u.a. mit der australischen Pop-Jazz-Folk-Rock-Band Naked Raven und der dänischen Songfrau Agnes Obel. Der Frontmann unterdessen, ausgestattet mit einem ausgeprägten Hang zu artfremden Klängen, Spielweisen und Ansätzen – mitunter spielt er das Cello in Gitarrenhaltung – unterfüttert sein klassisches Cellospiel mit Jazzstudien in Hamburg bei Mitgliedern der NDR Bigband sowie Peter Weniger und David Friedman in Berlin. Neben Tourneen mit Künstlern wie Melody Gardot und Kristjan Randalu stehen Schwarz und Braun seit 2000 vor allem als deep strings auf der Bühne, spielen auf zahlreichen Festivals (u.a. Ostsee-Jazzfestival, der Thüringer Jazzmeile) und erhalten den Jazz & Blues Award Berlin 2004.

Der Ruf des Cellos als vielseitiges und enorm kraftvolles Instrument dürfte sich spätestens seit der finnischen Band Apocalyptica herum gesprochen haben, die ihren Celli mit Metal-Klassikern von Metallica, Slayer, Rammstein u.a. auf den Leib rücken. Die deep strings andererseits spezialisieren sich nicht auf ein bestimmtes Genre, sondern arbeiten im weiten stilistisch-dynamischen Spektrum von Jazz, Pop, Chanson, Bossa, HipHop. Rhythmisch clever, rockig, sanft, melancholisch, heavy, präzise und lustvoll. Immer anspruchsvoll, definitiv virtuos, aber nie elitär.

„Die Idee, die beiden Celli zu kombinieren, geht eigentlich auf einen gemeinsamen Auftritt mit unseren Weimarer Kollegen Friend’n’Fellow zurück“, erzählt Schwarz. „Da haben wir erstmals gespürt, welche bisher unentdeckten Möglichkeiten das Instrument bietet, und wir dachten: Jetzt müssen wir dran bleiben.“

Das taten sie und entwickelten aus dem anfänglichen Nachspielen von Standards etwas Eigenes, Kontra-puristisches. Braun arbeitet mit Volumenpedal, Pitchshifter und Loopmaschinen, nutzt den Korpus als Handtrommel, und als Anne schließlich den Gesang ins Spiel bringt, ihre „Leidenschaft am Rande“ bis dahin, ist der Bandsound komplett. Das Duo spielt nun vor allem eigenes Material (neben einer ganz und gar unalltäglichen Auswahl von Coverversionen – Ani Difranco, Keziah Jones, MC Solaar, Manfred Krug et al).

Raum & Zeit

Credits

  • Moderation: Tilo Strauß
  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera & Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera & Licht: Björn Lingner & Kevin Strauß
  • Ton & Bühne: Peter Raffaelli & Henning Rades
  • Standbild: Christoffer Greiß