Django Deluxe

  1. Viper's Dream
  2. Claire de Lune
  3. Bolero
  4. Belleville

Drei Gitarren und ein Kontrabass – das sind Django Deluxe, die den Gypsy Swing des Django Reinhardt ins 21. Jahrhundert holen. Keine modernistische Designer-Variante dieser im wörtlichen Sinne einzigartigen Musik indes, mit der Reinhardt in den 1930er Jahren in Paris die erste originär europäische Jazzmusik aus der Taufe hob. Im Gegensatz zum amerikanischen Jazz, der sich in erster Linie auf Klavier und Blasinstrumente stützt, wird Gypsy Swing auf Saiteninstrumenten gespielt. Vor allem auf Gitarren. Andere Stimmen wie Geige, Saxofon oder Gesang sind seltene Gäste, ein Schlagzeug ist wegen der kompakten, beharrlichen Rhythmik von Gitarren und Standbass schlicht überflüssig.

Diese Tradition setzen Django Deluxe auf ihrem taufrischen Debütalbum „Wilhelmsburg“ (2012) fort: Rhythmisch wie melodisch starke Instrumental-Nummern zwischen Komposition und Improvisation, die das emotionale Spektrum von Sehnsucht und Melancholie bis zu reiner Lebensfreude auf spieltechnisch grundsätzlich anspruchsvollem Niveau ausdrücken. Bis heute wird diese Musik ausschließlich im eigenen Kulturkreis weiter gegeben, ist zum kulturellen Identifikationsmerkmal Nr.1 der zersprengten und zum größten Teil sesshaft gewordenen europäischen Zigeuner geworden.

Und: Django Deluxe ist Familiensache. Giovanni Weiss und Kohe Reinhardt (Sologitarren), Robert Weiss (Rhythmusgitarre) und Jeffrey Weiss (Kontrabass) stammen aus zwei Familien, die überdies miteinander verwandt sind und zum Teil schon in der vierten Generation im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg leben. Die Familie ist der Ursprung ihrer Kunst, aus und in ihr entwickelt sie sich. „Wir leben die Musik komplett aus“, sagt Kohe Reinhardt, „und sehen tun wir uns ja sowieso jeden Tag. Dann spielen wir, auch, wenn das nur für eine halbe Stunde ist oder Mitternacht schon durch ist. Ganz egal.“ Etwas Besseres, fügt er an, gäbe es ohnehin nicht.

Raum & Zeit

Credits

  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera/Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera: Thomas Nicolaisen
  • Ton: Peter Raffaelli
  • Standbild: Christoffer Greiß