Franz Albers und Käpt'n Kruse

  1. Heute an Bord / Nimm' uns mit, Käpt'n, auf die Reise
  2. Capri-Fischer
  3. Es war ein Mädchen und ein Matrose
  4. Hamburg-Medley ("Wir brauchen Bass", "Schön ist die Liebe im Hafen", "An der Nordseeküste", "Junge, komm' bald wieder")
  5. Seemann, deine Heimat ist das Meer
  6. Die Lichter an der Elbe
  7. Hans Albers-Medley ("Auf der Reeperbahn nachts um halb eins", "O Signorina Rina Rina", "In einer Sternennacht am Hafen")
  8. In Hamburg sagt man Tschüß

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Es mag wunder nehmen, wenn ausgerechnet aus Österreich der auslösende Impuls für einen norddeutschen Musiker kommt, sich nun den Liedern über Hafen, Schiff und Meer zu widmen. Und doch: Schlagerstern Lolita landete 1960 mit „Seemann (Deine Heimat ist das Meer)“ einen der ewigsten aller deutschen Salzwasserschlager, ihr Landsmann und Klischeehamburger Freddy Quinn mit „Die Gitarre und das Meer“ (1959) oder „Junge komm' bald wieder“ (1963) gleich mehrere.

Auch die gebürtige Nordfriesin und Wahl-Rostockerin Wiebke Kruse (a.k.a. Käptn Kruse) ereilte der Ruf zur See erst in der Steiermark, wo sie einst in einer Grazer WG mit zwei Freundinnen lebte, die mit weiteren zwei Frauen in Dirndln und  Bergkulisse acapella zauberhaft schön austrisches Traditionsgut jodelten. Dass so etwas auch mit Musik der norddeutschen Heimat zu machen sein müsste, dachte Frau Kruse und besann sich auf einen Stapel Noten, den ihr Jahre zuvor ein Onkel ihres Vaters, der selbst zur See fuhr, geschenkt hatte.

Gesagt, gesungen: Franziska Rademacher (a.k.a Franz Albers), in Lübeck aufgewachsene Hamburgerin, die Kruse 2003 im Landesjugendchor Schleswig-Holstein kennen und schätzen gelernt hatte, ließ sich gern anheuern, und spätestens mit dem ersten gemeinsamen Konzert im Herbst 2012 war der Name des Duos Programm: Franz Albers & Käptn Kruse; die Abkürzung FAKK, sozusagen eine Initialen-Zündung, lag einfach nahe.

Debütantinnen sind die Albers und der Käptn mitnichten. Wiebke etwa hatte Klavierunterricht bei einer älteren Nachbarin in Husum, die im Rollstuhl saß, besuchte Grundschule und Gymnasium mit musikalischem Schwerpunkt und hörte den Ruf zur professionellen Bühne als Ensemblemitglied bei einer Opernproduktion in Flensburg. Gesangsunterricht und Chöre als Jugendliche, Gesangsstudium in Graz, dann – FAKK.

Franzi wuchs in einer Musikerfamilie auf. Die Eltern sind klassische Musiker, ihre Tochter machte Musik mit Freunden, im Musikstudium, bekam Instrumentalunterricht, arbeitete in Chören und einer Bigband. „So groß auch meine Liebe zur Klassik ist“, erklärt sie, „habe ich mit unserem Seefrauenprogramm zum ersten Mal das Gefühl, musikalisch irgendwo angekommen zu sein. Eine Ausdrucksform, mit der ich mich auch auf der Bühne sehr wohl fühle.“

Ursprünglich aus nichts als reiner Liebe zur Musik begonnen, ergeben sich unweigerlich emanzipatorische Konnotationen aus der Tatsache, dass zwei Frauen, die sich Matrosen- und Hafenlieder aneigenen, eine uralte Männerbastionen einrennen. Die Folgen waren – kreativ. „Die Frau ist in diesen Texten oft die der wartenden Ehefrau, die darum bangt, dass ihrem Mann auf hoher See nichts geschehe“, erläutert die Käptn. „Der Mann widerum, abgelenkt von z.B. 'ner anderen in jedem Hafen, vergisst die bange Ehefrau schnell, denn: Seemanns Braut ist die See und nur ihr kann er treu sein. Uns stört wohl am meisten diese zementierte Rollenverteilung.“

„Wir stehen also vor der Aufgabe“, ergänzt die Albers, „die wunderbare Musik mit ihren zauberhaften Sehnsuchtsmomenten, herrlichen exotischen Einflüssen und dem starken Freiheitsdrang so umzusetzen, dass die patriarchalen Strukturen aufgezeigt oder aufgebrochen werden. Unsere Mittel sind recht eindeutig: Franzi und ich schwanken stets ohne große Ankündigung zwischen männlichen und weiblichen Rollen und weichen sie dadurch auf. Textpassagen, die uns arg aufstoßen, wandeln wir ab. Geschlechterrollen sind ein absolut aktuelles Thema für uns.“

 

Raum & Zeit

  • Buchhandlung Makulatur
  • Lübeck, 16. April 2013

Credits

  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera/Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera: Thomas Nicolaisen
  • Ton: Peter Raffaelli
  • Standbild: Christoffer Greiß