Golden Diskó Ship

  1. Skiing down a hill of dead fishies
  2. Today to Night
  3. A Cat's Year
  4. Booking A Plane
  5. Effects With No Skills

Als "musikalische Umsetzung der Chaos-Theorie" bezeichnete die Augsburger Allgemeine die Musik der Theresa Stroetges a.k.a. Golden Diskó Ship, die anderenorts schon mit Fourtet und Coco Rosie verglichen wurde. Die Musikerin selbst sieht sich unterdessen eher von Ruhelosigkeit, Schokolade, entspanntem Alkoholkater, Seen, Bäumen, Straßen, schlechtem Wetter und verstimmten Gitarren beeinflusst. Und von Island.

Als die gebürtige Niederrheinerin auf ihrem Weg nach Berlin für ein Jahr auf der nordatlantischen Insel Station macht, stößt sie dortselbst auf ein im Hafen verrottendes Schiff, golden angemalt von verkühlten Isländern, die darauf durch die Südsee schippern wollten. Letztendlich blieb es bei der goldenen Lackierung, die seither  vom Schiff abblättert. Eingenommen von diesem Anblick, beginnt  Theresa unter dem Pseudonym Golden Diskó Ship zu arbeiten, kaum, dass sie 2007 in der großen Hauptstadt angelandet war. In den folgenden 3 Jahren befindet sie sich praktisch pausenlos auf Tour: Australien, USA, Frankreich, Skandinavien, Benelux, Polen, Tschechei – schnell macht der Name der vorstellungsstarken Klangbildnerin die Runde bei experimentell ausgerichteten Festivals und aufgeschlossenen Individuen.

Das Aufbauen und Wiederauflösen von Strukturen ist grundlegendes Element ihrer quecksilbrigen Songgebilde. Alles Gradlinige darin ist vergänglich, die Suche nach linearer Orientierung irreführend. Samples jedweder Herkunft – Computerbeats, sirrende Texturen, knirschende  Verzerrung, Spielzeuginstrumente, found sounds – formt die 28-Jährige live mit Freistil-Drummachine, geloopter Gitarre und transmutierter Stimme zu Schichten, filtert Strukturen aus scheinbarem Chaos und hebt sie in den Raum, um sie dort   zerfallen zu lassen. Die sonderbaren Videoprojektionen verstärken den surrealen und gleichzeitig unmittelbar emotionalen Eindruck dieser dunkel getönten elektronischen Musik, die stets auch auf den Ursprung ihrer Schattigkeit verweist: das Licht.

In jeder Hinsicht widersprüchlich und gleichzeitig vollkommen rund. Äquatorial-Musik.

Raum & Zeit

  • Kulturbuchladen MaKULaTUR
  • Lübeck, 5. Mai 2012

Credits

  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera/Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera: Thomas Nicolaisen
  • Licht: Christian Kopplow
  • Ton: Peter Raffaelli
  • Standfotos: Christoffer Greiß