Jan Röttger

  1. I'm going to die like Marilyn Monroe
  2. Sober down
  3. Sonata of the good man
  4. The town crier, the poet and the skinny bird

„Es war immer mein Traum, so zu klingen, als würde Ray Charles die Sex Pistols singen“, sagt Jan Röttger. Scherzhaft zwar, doch die selbstironische Relevanz der Aussage ist überraschend gering. Denn tatsächlich bewegen sich die Songs des Ende der 80er Jahre in Wuppertal geborenen Musikers dynamisch zwischen Rockresten, offensiver Dünnhäutigkeit und einem deutlichen R&B-Moment im Subtext. Dass die Songs trotz starker Einflüsse immer über eigenes Profil verfügen, hängt mit der ausgeprägten künstlerischen Persönlichkeit ihres Schreibers und seinem speziellen, mal klagenden, mal laut insistierenden und immer reflektiv wirkenden Gesang zusammen.

Die Gitarre entdeckte Röttger schon als 6-Jähriger, ließ sie aber, nach einigen Jahren Klassik-Unterricht, als Teenager zunächst links liegen. Seine ersten Schritte auf die Bühne machte er als Sänger der Band The Shakehands an der Uni – Anglistik, Musik, Geschichte, Philosophie, Sport –, nach dem Vorbild der Ärzte, mit deutschen Texten. Heute singt der Gewinner des Rockförderpreises seiner Stadt (2008) englische Texte, spielt ausgefeilte Liedbegleitungen zwischen modernistischem Folk, Indie-Rock und Brit-Pop auf der Akustischen.

Als Performer scheint er gelegentlich die Dramaturgie des eigenen Auftritts unterwandern zu wollen, wenn er mittendrin Songs unterbricht, mit dem Publikum redet, Anekdoten anreißt, blödelt. als Singer/Songwriter packt er ähnlich unvermittelt und gezielt auch dort hin, wo der Schmerz am tiefsten sitzt. Jan Röttger agiert im Außen, schaut nach innen und wieder zurück – nicht immer ganz ohne Zorn –, ohne sich und seine Zuhörer dabei der Resignation zu empfehlen. Der Mann macht keine Mördergrube aus seiner Seele. Sondern Soul music. 

 

Raum & Zeit

Credits

  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera/Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera: Thomas Nicolaisen
  • Ton: Peter Raffaelli
  • Standbild: Christoffer Greiß