Julian Heun

  1. Lass-Mann
  2. Ameisenmann

Wenn Julian Heun sich als „Versverfertiger“ bezeichnet, so ist dies ein Begriff, der technisch ebenso zutreffend wie darüber hinaus ungenügend ist. Denn wie der 1989 in Berlin geborene Poet Stil, Ausdruck, Timing, Dynamik, die Kunst der Pause, Innehalten, Durchatmen, Nichtmehratmen ohne weitere Hilfsmittel zur sinnstiftenden Performance verschmilzt, ist zweifellos exorbitant. Heun nimmt sich Zeit, rekalibriert beständig Humor und Ernst vom Kern seiner Texte in ihre Peripherie und wieder zurück. Besondere Talente wie der fliegende Wechsel zwischen deutschen Dialekten aller (Mund-) Art und das unvermittelte Imitieren von Stimmen anderer – etwa Gollum beim „Ameisenmann“ – bleiben Teil des Ganzen, verkommen nicht zu Gimmicks.

Nach Reisen durch Indien, Süd- und Mittelamerika sowie das Erkunden journalistischer Untiefen als Praktikant bei der Bild-Zeitung steht Julian Heun seit 2007 auf gesamtdeutschsprachigen Bühnen. Von Beginn an fiel eine gewisse Tiefe auf, die den meisten Menschen jenes Alters noch eher ungewiss erscheint. Noch im gleichen Jahr wurde er deutschsprachiger Poetry-Slam-Meister.

Seither schreibt der studierte Germanist und Literat für Slam- und andere Bühnen (Nürnberger Pocket Opera Company, Kammertanzoper “Du, Liebe?!“ u.a.), für Literaturzeitschriften und ist bei 3Sat, EinsFestival, Sat1 Comedy, im SWR, WDR, NDR und im Schweizer Fernsehen  gesehen worden. 2009 trug Julian nicht nur in Lübeck (als Teil von Sarah Kuttners Slam Tour), sondern auch bei der Poetry-Slam-Weltmeisterschaft in Paris Preise davon und wurde zusätzlich Berliner Stadtmeister. Im Jahr darauf gingen u. a. der renommierte Stuttgarter Kabarettnachwuchspreis Goldener Besen sowie der Publikumspreis an Julian, und das Lyrik-Performance-Kollektiv Allen Earnstyzz (Heun plus Kollegen Stefan Dörsing, Temye Tesfu und Scott-Horst) wurde Arte-Slam-Meister.

Neben Einzellesungen veranstaltet Julian Heun Workshops und war als Gast der Goethe-Institute San Francisco, Rom und Kolumbien bei internationalen Wettbewerben dabei. Mit Erfolg...

Raum & Zeit

  • Kulturbuchladen MaKULaTUR
  • Lübeck, 6. April 2012

Credits

  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera/Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera: Thomas Nicolaisen
  • Licht: Christian Kopplow
  • Ton: Peter Raffaelli