Manfred Maurenbrecher

  1. Das alte Fahrrad
  2. Rolle rolle rolle
  3. Das andere Blau
  4. Staubsauger
  5. Augen

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Siehe auch Manfred Maurenbrecher im Interview

Die „Bluttransfusion, die das deutschsprachige Chanson braucht“, sah die Stuttgarter Zeitung schon 1981 in ihm, ein Jahr vor seinem ersten Album.11 Jahre und 6 LPs später bezeichnete die FAZ ihn als „Geheimtip auf Lebenszeit“. Konstantin Wecker brachte es 2002 auf den Punkt: „Es gibt Künstler, die sich nicht verändern, und sie werden langweilig. Es gibt Sänger, die singen immer das gleiche und das ist ärgerlich. Manfred  Maurenbrecher bleibt immer derselbe und das ist wunderbar.“

Und das ist so, weil der Urenkel eines Historikers und Enkel eines Schauspielers als Liedermacher einzigartig in Deutschland ist, textlich und musikalisch deutlich mehr kantiges Profil besitzt als andere Nasen im Gesicht haben. Ohne sich in eitel-geschäftiger Kunstfertigkeit zu verschwurbeln, sind seine Lieder komplexe Bauten, die über unerwartete, mitunter schroff anmutende Interims-Akkordwendungen sowohl den Hörer als auch sich selbst zu irritieren scheinen. „Unberechenbar, kein Wort zu viel und wenn 's geht, mich selbst überraschend“, will und wollte Maurenbrecher seine Stücke, und „weiser als der Mann, der sie geschrieben hat.“ Darüber, dass das Leben nicht ist, wie es ist, weil man es behauptet hat, sondern weil es eben ist, wie es ist. Einfach schwer. Alles bleibt anders. Anfang der '80er antwortete Maurenbrecher auf die Frage eines Journalisten, warum er manchmal so dreckig singe: „Das ist eine Kohlefrage.“ Zwei im Sinn ...

1950 in Berlin geboren – „Lieblingsspiel: Eisenbahn sein. Mit 15 beim Wett-Tauchen in der Havel von DDR-Grenzern aus dem Wasser gefischt. Ein Jahr später erstes selbstverdientes Geld als Rudi-Dutschke-Double. Später Nebenerwerb als Charlie-Chaplin-Double in den Wäldern Nordkanadas. Inspirierte Sommernacht mit Bob Dylans Gärtnerin.“ –, finanzierte Maurenbrecher sich ein Germanistikstudium an der FU Berlin. Klavier, Lyrik, Leonard Cohen, Bob Dylan und Franz-Josef Degenhardt spielten schon eine Rolle. Erste eigene Songs entstanden 1970, Auftritte ab 1973.  Ende '76 gründete Manfred mit vier anderen jungen Männern die „Sponti-Musikanten-Gruppe“ Trotz und Träume und begann, sich auf der Bühne wohl zu fühlen: „Nur mit dem Publikumsgeschmack kam ich schlecht zurecht. Stieß eins meiner Lieder auf zu große Resonanz, wurde es mir verdächtig.“

Nach Studienende und Doktorarbeit über die Werke des Schriftstellers, politischen Publizisten, Orgelbauers und Musikverlegers Hans Henny Jahnns („Subjekt und Körper“, 1980) holte '82 Spliff-Drummer Herwig Mitteregger den knorrigen Songmann ins Studio und produzierte sein erstes Studioalbum, „MaurenBrecher“. (Maurenbrecher: „Und ich kannte Spliff gar nicht.“) Bis heute (Stand 2015) sind es 23 Live- bzw. Studioalben geworden, solo, im Duo oder mit Band. Diverse teil-legendäre Live-Zeugnisse Maurenbrechers existieren im nationalen Mediengedächtnis, darunter ein Auftritt beim WDR-Rockpalast (1985) und das Randy-Newman-Projekt von 2006. 

Er schrieb unzählige Liedtexte für andere – u. a. Spliff, Herman van Veen, Veronika Fischer –, produzierte Rundfunkfeatures für RIAS Berlin, NDR, DLF und WDR, verfasste TV-Drehbücher (u. a. für den RTL-Kracher „Cobra 11“), Bühnenstücke, zwei Romane, mehrere  Kurzgeschichten und ist seit 2003 Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

Die unvergleichbare Anerkennung Maurenbrechers in der deutschen Musikerszene zeigt sich an Auszeichnungen – Deutscher Kleinkunstpreis, Deutscher Kabarettpreis, Preis der Deutschen Schallplattenkritik  u. .a. –, aber auch an „Maurenbrecher für alle“, 60 seiner Songs auf 3 CDs, gecovert von u. a. Klee, Popette Betancor, Sascha Gutzeit, Hannes Wader, Götz Alsmann, Tube und Roger Trash. Und dem Chor der Grundschule am Rüdesheimer Platz.

Raum & Zeit

  • Buchhandlung maKULaTUR
  • Lübeck, 18. März 2015

Credits

  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera/Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera: Thomas Nicolaisen
  • Ton: Peter Raffaelli
  • Standbild: Christoffer Greiß