Patrick Salmen

  1. Morgenstund hat Schrot im Mund
  2. Sei still, alter Mann
  3. Die Eleganz des Birnbaums

„Worte“, sagt Patrick Salmen, „das ist für mich Material, das weniger wird, wenn man es benutzt.“ Und wählt sie sorgsam, um Abrieb zu verzögern und Bedeutung zu erhalten. Beim Lesen senkt sich seine Sprechstimme um 3 bis 4 Halbtöne ab, nimmt einen sonoren Klang an, der den seltsamen Eindruck von Würde und bürgerlicher Gediegenheit erzeugt, welcher beharrlich unversehens von den Inhalten unterwandert wird. Salmen versteht sich auf die Verschmelzung von Realität(en), Details und Pointen zu Texten, die durch literarische Qualität glänzen, ohne zu protzen. Im Gegenteil. Der Mann ist ein Meister des beredten Understatements, vor allem, was die Geschichten aus seinem Buch Distanzen (2011) betrifft.

Bei Salmen wird gedacht und gelacht; sein Humor ist selbstironisch durchtrieben und ausgesprochen trocken, wobei die Themenauswahl gerade in ihrer bizarren Spezifizierung gelegentlich gewagt scheint. Aber gleich, ob es um den Zusammenhang zwischen Holzfällen und Empfindsamkeit geht, um digitales Kaminfeuer, alte Damen, die mit ihren Regenhauben in den Himmel aufsteigen oder ob mit Sätzen wie: „Die schönste Form des Rollkofferratterns erfolgt auf den geriffelten Metallbodenplatten beim Verlassen der Flughafenrolltreppe. Es klingt wie das Schnurren einer exakt 3 ½ Jahre alten Katze“ der Begriff der Beobachtungsgabe transzendiert wird – Salmen gewinnt.

2008 nahm der 1985 geborenen Wuppertaler erstmals an den deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften teil, wurde 2010 NRW-Vize und deutscher Meister und durchstreift beinah unablässig das Muttersprachgebiet. Mit seinem Dortmunder Kollegen Torsten Sträter hat er in Wuppertal die Leseshow Als eine Kuh des Weges kam, fragte es die anderen Pferde etabliert und leitet Workshops zum Thema „Kreatives Schreiben“ in Schulen und an der Shakespeare-Live-Akademie in seiner Heimatstadt.

Raum & Zeit

Credits

  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera/Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera: Thomas Nicolaisen
  • Ton: Peter Raffaelli