Phia

  1. Do You Ever?
  2. Open / Closed
  3. 15 Step (Radiohead)
  4. So Far, So Close

Wie die Mbira, Likembe, Kadongo u.a. regionale Varianten seiner afrikanischen Instrumentenklasse, gehört die Kalimba zur Familie der Lamellophone. Unterschiedlich lange Metallzungen, auf einen massiven Holzblock von etwa 15 x 10 x 5 cm montiert, werden durch Verschieben gestimmt und per Daumenanschlag gespielt. Der glockenhaft metallene, warme Klang des Instruments ist längst nicht mehr unbekannt in der internationalen Pop- und Rockmusik, und afrikanische Bands wie Konono No.1 und die Kasai Allstars haben eine innovative neue Popmusik aus der Elektrifizierung des traditionellen Instruments entwickelt.

Ein ganz hübsches Ding, eine Art Spiel-Zeug scheinbar, sofort zugänglich durch die somatische Spielweise – und definitiv überraschend in seinen Möglichkeiten, wenn das unscheinbare Kästchen in den Händen eines wahren Könners liegt. Eines afrikanischen  Meisters etwa oder einer inspirierten und geschickten Person wie Multiinstrumentalistin, Sängerin und Komponistin Phia.

Geboren 1987 als Sophia Exiner in Melbourne/Australien, war die Kindheit der studierten Jazzpianistin praktisch möbliert mit Gesang und Tanz und Instrumenten. Sie kombiniert den Klang des Instruments mit rhythmischem Klopfen, Vokalimpulsen und Geräuschen und schichtet sie per Loop-Station live zu Soundtracks, die u.a. die Grundlage für ihren Gesang bilden. Denn so eigenwillig und anspruchsvoll ihr Konzept erscheint, ist Phias Musik keine anstrengende, akademische Klangkunst. Sondern Popmusik. Indie-Pop-Songs mit eigener Note, tanzbare Zuhörmusik, beeinflusst von  M.I.A, Lykke Li, Grimes u.a. Frauen, die ihr eigenes Ding machen.

Die verblüffende Leichtigkeit, mit der Phia die Substanzen ihrer vielschichtigen Musik koordiniert, kommt nicht von ungefähr. „Ich habe viel geübt, bevor ich zum ersten Mal aufgetreten bin“, erklärt die Wahlberlinerin, die per Zufall auf die Kalimba stieß: „Ich spielte Keyboards und sang, als eine Band, die am gleichen Abend auftrat, eine Kalimba in einem ihrer Songs benutzte. Ich war gleich verzaubert davon und entschloss mich, mir auch eine zu kaufen. Ich musste sie bei jemandem in Queensland [Australien] bestellen, der sie bei einer US-Firma bestellt, die sie wiederum in Südafrika machen lässt. Als ich es endlich in Händen hielt, verliebte ich mich sofort in das Instrument. Wie das Holz beim Klingen vibriert. Wie man es hält. Und vor allem, wie leicht man es transportieren kann!“

Raum & Zeit

  • Buchhandlung Makulatur
  • Lübeck, 3. Juni 2013

Credits

  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera/Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera: Thomas Nicolaisen
  • Ton: Peter Raffaelli
  • Standbild: Tilo Strauss