Renato Kaiser Teil 1/2

  1. Dann fühl' ich mich nicht literarisch genug
  2. Nicht

Ob Renato Kaiser einen Trophäenschrank sein Eigen nennt, wissen wir nicht, können es uns aber nicht recht vorstellen. Dennoch: Stauraum kann der Schweizer Slammer durchaus brauchen. Eine Million Slams habe er seit März 2005 gewonnen („Wirklich!“), gibt er an, in Zürich, Salzburg, Berlin, München, Hamburg und „auf dem Mars“. Darunter die meisten Slam-Siege unter den Schweizern, den internationalen Poetry Slam in Bozen und 2009 den Fritznacht-Talentwettbewerb in der Kategorie "Wort" vor 1700 Zuschauern im Berliner Admiralspalast. Damit nicht genug, war der Kaiser (*1988) im (nicht nur Schweizer) Radio und Fernsehen zugegen und bereist beständig den deutschen Sprachraum.

Ein Auftritt von Renato Kaiser ist, als hörte man jemandem zu, der beim normalen, ungeplanten Reden unversehens reimt, betont und um die Wirkung der Kunstpause weiß. Auch bei genreüblich hoher Stabreimdichte und den typisch deutschen Konsonantenclustern. Die scheinbare Harmlosigkeit seiner freundlichen Texteinführungen scheint die Doppelbödigkeit der eigentlichen Texte zu vertuschen, auf dass man diesen dann umso leichter auf den Leim gehe.

Renato rezitiert und liest, verfasst Gedichte, kommentiert die Slam-Szene und die eigene Rolle darin sowie Leben und Alltag im Gemeinen: Reise, Erziehung, Fleisch- und Kassenfrau im Supermarkt, Rat und Tat in Beziehungsanbahnungsfragen.

Überhaupt, sagt Renato Kaiser, sei Renato Kaiser „...bescheiden, lieb und gut zu Tieren. Dazu studiert er Geschichte und Germanistik bis an sein Lebensende, ist aber ansonsten offen für alles.“

Raum & Zeit

  • Kulturbuchladen MaKULaTUR
  • Lübeck, 27. April 2012

Credits

  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera/Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera: Thomas Nicolaisen
  • Ton: Peter Raffaelli
  • Standfotos: Christoffer Greiß