René Möllmer

  1. Viele Leute
  2. Superkraft
  3. Den deinen und den meinen
  4. Sonnenaufgang

Titel anklicken, um zum Lied zu springen

wolkenkuckucksheim.tv EXTRA: Alles bleibt anders. Teil 1.

Wir wollten mal raus. Sonst ausgesucht familiär im Kunstbuchladen, jetzt mal groß sein. Zwischendurch. Kucken, wie das ist. Am 21. September 2013, als das wolkenkuckucksheim.tv-Team sich, sein Equipment und eine Bühne in die Fabrikationshalle der Firma SHP Primaflex in Ratekau im Lübecker Speckgürtel stellte. Ergebnis: Gut! Wo sonst Schläuche jeder Art und Größe produziert werden, gab es 4 mal Musik und Spokenword. Sondergleichen, meine Damen und Herren. Erster: René Möllmer.

Seit 2006 ist der gebürtige Wuppertaler Sänger und Gitarrist „aus Leidenschaft – manchmal...“ (Möllmer) mobil mit seiner instrumental-vokalen Perfomance-Hybride. Nichts am unscheinbaren Auftreten des Sympathieträgers lässt die beeindruckende Virtuosität und Energie auch nur ahnen, mit der Möllmer seine zwischen nachdenklich-melancholischer Schwere und Leichtherzigkeit pendelnden Songs begleitet und in perkussive, schillernde Instrumentalpassagen münden lässt.

Möllmer bedient sich der Tapping-Spieltechnik, bei der beide Hände des Gitarristen sowohl Tonhöhe als auch Anschlag spielen, was das Spektrum des Instruments gegenüber der üblichen Griffhand/Schlaghand-Aufteilung deutlich erweitert. Mit den Fingerkuppen werden die Saiten auf das Griffbrett gestoßen und durch den Impuls in Schwingung versetzt; der Klang unterscheidet sich deutlich vom Fingerpicking und Plektrum.

Elektrisch gilt Genesis-Gitarrist Steve Hackett als Pioneer der Technik („The Musical Box“, 1971), der vermutlich bekannteste Multiplikator ist Eddie Van Halen („Eruption/You Really Got Me“, 1977). Unter Akustikgitarristen ist das Tapping heute regulärer Bestandteil des Fingerstyle-Repertoires. Nach Pionieren wie Preston Reed (*1955) und Michael Hedges (*1953) hat sich vermehrt in den letzten 15 Jahren eine eigenständige Szene heraus gebildet, mit Leuten wie Kaki King (*1979) und Ani Difranco (*1970), die sich dieser Technik auch als Gesangsbegleitung bedienen.

Wie René Möllmer. Als „Barhocker-Akustikgitarren- und Ich-steh-mit-Gurt-auf-der-Bühne-Legastheniker“ bezeichnet sich der Wahlhamburger mit jenem tückischen Humor, mit dem er auch als Texter das Publikum in der ersten Sekunde heiter macht und in der nächsten in die Schwärze vermuteter Unzulänglichkeiten blicken lässt. Kunstpause, Baby. Und weil Möllmer sich dabei nicht ausnimmt und ohne kitschiges Dekor-Leiden auskommt, kommt er an. Seit 2010 tritt er vermehrt bei Slam-Veranstaltungen in der gesamten Republik auf, hat einige Siege eingefahren („Kampf der Künste“ in Hamburg, "Saitenliebe" in Köln u.a.) und ist mit Slam-Prinz Patrick Salmen im Duo aufgetreten.

 „Man sollte nicht immer auf seine Stimme im Kopf achten, sondern darüber schmunzeln und sie häufiger aufs Abstellgleis verfrachten“, meint der ex-Gitarrist der Emo-Core-Band Three Minute Poetry. „Da ist sie dann hoffentlich gut aufgehoben.“

Raum & Zeit

Credits

  • Moderation: Tilo Strauß
  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera & Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera & Licht: Björn Lingner & Kevin Strauß
  • Ton & Bühne: Peter Raffaelli & Henning Rades
  • Standbild: Christoffer Greiß