Susie Asado

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Am Anfang war die große Gertrude Stein, US-amerikanische Schriftstellerin, Verlegerin und Kunstsammlerin(1874–46). Stein, die einen großen Teil ihres Lebens in Paris verbrachte, unterstützte die noch unbekannten Picasso, Matisse, Braque und Gris und beeinflusste F. Scott Fitzgerald, Sherwood Anderson und Ernest Hemingway mit ihrem experimentellen Schreibstil. Stein prägte den bekannten und oft abgewandelten Satz „Rose is a rose is a rose is a rose“. „Susie Asado“ lautet der Titel eines ihrer abstrakten Gedichte: „Trink Hundebabys trink Hundebabys / miete einen Schärpenhalt, sieh ihn glänzen und ein Reisvogel hat Nadeln.“

Nicht, dass Josepha Conrad, die seit 2007 mit wechselnden Partnern – zuletzt Noel Rademacher (Stand 2013) – ein musikalisches Duo namens Susie Asado betreibt, sich einreihen wollte in die Galerie dieser Seltengroßen. Sie war während des Literaturstudiums auf die Frauen Stein und Asado gestoßen und mochte beide, ohne stets ihre Sprache verstehen zu müssen. Empathie, Baby. Kunst. Das Bewusstsein, aus dem heraus Conrads bimmelige, doppelbödige Folk-Pop-Preziosen entstehen. Kleine Lebensformen, in denen auf unpenetrante Weise ein naiver Schein freundlich schimmert. Abstrakte Leichtigkeit des Seins. Der Nalk im Schacken, s'il te plait.

Die interkontinentale Josepha wuchs zu gleichen Teilen in Frankfurt/M./D und Chicago/Illinois/USA auf und lebt seit 2000 in Berlin. Nachdem sie 2004 im dortigen King Kong Klub mit ihrem Bruder erstmals eine Bühne besungen hatte, spielte sie erst in einer Band namens Crazy For Jane all over the place called Earth, um schließlich, mehr oder weniger überredet zum ersten Sologig, öffentlich als Susie Asado zu erscheinen.

Seither aus klanglichen Gründen der Behaglichkeit meist als Duo unterwegs – u.a. mit Marko Hefele, Mathias Kom, Kim Barlow, Ariel Sharatt –, haben Susie Asado mit u.a. The Burning Hell, Veda Hille und Kat Frankie die Bühnen geteilt.

Die Performance ist definitiv eine solche, hat theaterhafte Züge, ohne in unangemessen großer Geste oder einer artifiziellen Bodenständigkeit zu chargieren. Nichtsdestoweniger sind Frau Conrads Texte durchaus von dieser Welt. Liebe, Erdkunde, Grenzkontrolle. Mütter. Dass Enten strampeln, damit das Wasser auch winters flüssig bleibt. Der Umstand, dass „blue“ im Deutschen „drunk“ bedeutet. Plus Konsequenzen. Josephas Gesang ist mühelos prononciert und erzählt viel. Wie Kulissen in einem Themenpark called life werden Bestandteile der Welt herausgelöst, gewendet, betrachtet, de- und re-installiert. Und das Unbekannte scheint nur unbekannt. Beziehungsweise.

Raum & Zeit

Credits

  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera/Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera: Thomas Nicolaisen
  • Ton: Peter Raffaelli
  • Standbild: Christoffer Greiß