Tom Brosseau

  1. Instrumental (untitled)
  2. Let The Train Blow The Whistle
  3. Love High John The Conqueror Root
  4. We Were Meant To Be Together
  5. Today Is A Bright New Day
  6. Cradle Your Device

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Dass aus Tom Brosseau beruflich nichts „Ordentliches“ geworden ist, liegt in seiner Familiengeschichte begründet. Und ist gut so. In der Kleinstadt Grand Forks im US-Bundesstaat North Dakota – kalt, flach, Schnee, Skandinavier – wuchs er mit der stilistisch unvoreingenommenen Schallplattensammlung seines Großvaters auf – Bob Dylan, Casals, ...

..., Leadbelly, The Inkspots –, der selbst in einer Band namens Buck and the Bucanneers spielte. Das Gitarrespielen jedoch lernte der Enkel von seiner Großmutter, einer Bluegrass-Musikerin, die nicht gern sprach. Brosseaus Lieblingsgitarre, eine in wahrhaftiger Schönheit gealterte 1940er Takamine, ist ein Erbstück von ihr.

Am Musikkonservatorium hielt Brosseau sich nur kurz auf, denn er spürte, dass der akademische Betrieb ihm die Spielfreude verdarb. Nach ersten Auftritten bei Open-Mic-Nights in seiner Heimatstadt ging er ins südkalifornische San Diego, wo er mit dem renommierten Folk-Musiker und Produzenten Gregory Page erste Aufnahmen machte. Eine perfekte Kombination, denn wie Brosseau lebt der erfahrene Page, der mit Leuten wie Jason Mraz, John Doe, Jewel, A.J. Croce u.a. gearbeitet hat, im Schnittmengenland zwischen Tradition, Moderne und Fortschritt.

Toms Debütalbum „North Dakota“ erschien 2002 und brachte den Namen des jungen Songmannes bei Kritik, Kollegen und dem Indie-Folk-Publikum positiv ins Gespräch. Seither haben so unterschiedliche Leute wie John Reilly & Friends und die New Yorker Post-Rock-Band Mice Parade seine Songs gecovert. Inzwischen lebt Brosseau in Los Angeles und spielt in den USA, Europa und Asien.

Aus seiner ruhigen, selbstsicheren Bühnenpräsenz, dem Aussehen einer blonden, un-depressiven Version des großen Townes Van Zandt (1944-97) und seiner bestrickenden, frei schwingenden Tenorstimme entwickelt sich ein nicht unerhebliches, luftgetrocknetes Charisma, um das Brosseau vermutlich weiß und es pflegt, ohne ins Prätentiöse zu driften.

Sein Gitarrenstil geht zurück auf große Stilisten und Erneuerer des US-Folk und Blues – Leadbelly, Woody Guthrie, Elizabeth Cotten et al –, wobei gelegentlich auch Leute wie etwa David Crosby kurz aufscheinen. Brosseau wechselt zwischen Plektrum-Spiel nach Fingerstyle-Art und Fingerpicks und generiert Gesangsbegleitungen, die rhythmisch, melodisch und im Ausdruck komplexer und eigen-artiger sind, als es in der Regel der Fall ist. Als Texter verfügt Brosseau über den anständigen humanistischen Unterbau eines Folk-Musikers und eine hauchdünn geschnittene Art von Sarkasmus, die wiederum direkt an die Persona und Erscheinung des Künstlers angedockt scheint: Selbst, wenn sie eindeutig erkennbar ist, mag man sich ihrer nicht ganz sicher sein. Flux. Und das – ist gut.

Dass Tom Brosseau in seinem ersten Spielfilm („Wonder Valley“, 2012) einen Mann spielt, der versucht, seiner Freundin zu entkommen, indem er buchstäblich in die Wüste geht, erscheint da einfach schlüssig.

 

Raum & Zeit

  • Buchhandlung maKULaTUR
  • Lübeck, 25. März 2013

Credits

  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera/Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera: Thomas Nicolaisen
  • Ton: Peter Raffaelli
  • Standbild: Christoffer Greiß