Ü

  1. Alls körig
  2. Globus lokus iste
  3. Lällär füorz
  4. Schöa-sa-schöa
  5. Nümma dicht
  6. Ü

Alfred Vogel ist ein Mann mit Perspektive. Mit Vogelperspektive. So nennt der österreichische Schlagwerker extraordinaire ein CD-Projekt (2012), in dem er mit  Jazzmusikern unterschiedlicher Couleur – darunter Gitarrist Kalle Kalima, Drummer Christian Lillinger, Bassist Lucas Dietrich, Violinist Simon Frick, Organist Billy Martin – spezielle Blickwinkel auf das Phänomen Musik eröffnet und zu hören gibt, was gewissermaßen zu sehen ist. Streng subjektiv, gilt hier  allein die Erdkrümmung als begrenzendes Moment, die große Linie da hinten, der Horizont – die Bewegung selbst also. Improvisation, Baby. Definitiv avantgardistischer Jazz, der jegliche beflissene Verkopfung angenehm vermissen lässt.

Im Duo Ü mit dem österreichischen Dichter Norbert Mayer verweben sich Lautmalerei, Dialekt, Gegenwartsslang und dadaistisch anmutende Sprechtexturen mit Vogels beredt schepperndem Schlagzeugspiel zu polyrhythmischer Vokal-Musik mit gesellschaftspolitischen Obertönen. In etwa. Mayer, der Kurzgeschichten, Kinder- und Jugendtheaterstücke schreibt und in Anthologien, Kunstkatalogen, Presse und Radio veröffentlicht, hat 5 Lyrik-Bände heraus gegeben (Stand 2012) und arbeitet auch mit bildenden Künstlern zusammen. Für Nicht-Österreicher nur schwer differenzierbar, clustert das Duo entnervt, betroffen, lakonisch, lustvoll und vorbehaltlos Unvorhersehbares über medialen Kommunikationsirrsinn, die Verwilderung der Sozialkultur und die Aufgefressenheit des Individuellen durch die Ignoranz. Und bindet dabei etwa einen Thelonious-Monk-Klassiker ein. Wer Begleiter und wer Solist ist, ist längst undefinierbar und eh wurscht. Ü ist Gegenwartskunst  im direkten Sinne.

Raum & Zeit

Credits

  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera/Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera: Thomas Nicolaisen
  • Ton: Peter Raffaelli
  • Standbild: Christoffer Greiß