Yxalag

  1. Louis
  2. Serba din New York
  3. Donna Donna
  4. Recenica

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Klezmer (sprich: Klessmer), Plural Klezmorim, war zunächst ein Begriff für Musiker einer bestimmten Spielart, über die erste schriftliche Aufzeichnungen aus dem 15. Jahrhundert stammen. Die musikalischen und das traditionelle Repertoire entstanden vermutlich im 19. Jahrhundert in Bessarabien; der erste namentlich bekannte Klezmer, Yakobius ben Yakobius, lebte bereits um etwa 150 in der palästinensischen Stadt Samaria.

Gern gesehen als Musiker auf Hochzeiten u.ä., standen die Klezmorim gesellschaftlich eher niedrig, spielten häufig mit Roma-Musikern zusammen und beeinflussten sich gegenseitig. Charakteristisch ist eine Art seufzendes Jubeln, das auch in rhythmisch rasanten Passagen die stets leicht melancholische Farbe der Stücke ausmacht: Ach, das Leben ist so schön und doch muss es enden. Bzw. anders herum. Tonagebend ist vor allem die Klarinette, aber auch die Geige, die mit Schluchzen, Trillern u.a. Dinge „aussprechen“, die man in der Regel mit der menschlichen Stimme verbindet. 

Scheinbar verloren in den Irrungen von Judenverfolgung und Völkermord, erlebte die Spielart ab Anfang der '70er in den USA eine überraschende Renaissance und wurde international bekannter denn je. Die bekanntesten Exponenten heute sind die Klarinettisten Giora Feidman und der New Yorker David Orlowsky mit seiner Band The Klezmatics („Klezmer Madness!“), die sich in etwa zueinander verhalten wie Tradition und Moderne. Irgendeiner bindenden, „reinen“ Lehre verschrieben haben sich beide nicht. Die gibt es nicht im Klezmer, der als weltliche Instrumentalmusik, die auf die liturgischen Gesänge der Synagoge zurück geht, von Grund auf widersprüchlich ist. Freiheit, Baby!

Die sieben jungen Musiker von Yxalag machen es so. Variieren ist erlaubt, Dekonstruktion möglich, wie sich vor allem in den vergangenen 20 Jahren gezeigt hat, in denen diese uralte jiddische Musikform sich mehr und mehr auch in diversen Populärmusiken ausbreitete. Das Instrumentarium wird nach Bedarf erweitert – Perkussion, Bassklarinette, E-Gitarre, Hammond-Orgel, Klavier –, Improvisation ist kein Fremdwort. Neben eigenen Interpretationen von Klezmer-Traditionals und eigenen Kompositionen verarbeitet die Band bruchlos Einflüsse aus Klassik, Bossa, Tango, Swing, Musette und Balkan-Beat. Oder gar den berühmten Surf-Klassiker „Misirlou“ von Gitarrist Dick Dale (bekannt u.a. aus dem Pulp Fiction-Soundtrack), der – hätten Sie 's gewusst – selbst Coverversion eines griechischen  Rembetiko-Liedes aus den '20er Jahren ist. 

Jakob Lakner, Klarinettist und Jazzkomponist, der, auf Anraten von Prof. Bernd Ruf von der Musikhochschule Lübeck, Yxalag mit ein paar Kommilitonen in der Travestadt gründete, hatte schon vor dem Studium Klezmer gespielt: „Die Faszination kam über die Klarinette. Wie man dieses Instrument in diesem Genre spielt, hat mich komplett beeindruckt, das wollte ich auch können.“

Bei milder Fluktuation in der Bandbesetzung seit Gründung haben sich die Dynamiken und Akzente individuell bedingt immer leicht verschoben. Unberührt davon blieb das Markenzeichen der Band, die ihren eigenartigen Namen inzwischen auch über deutsche Grenzen hinaus streuen konnte: Ihre Spielfreude. Trotz Ausbildung!, mag der Ketzer hinzufügen, denn er weiß, dass komplettstudierte, versierte Musiker, die als Kirchen- und Orchestermusiker bei etwa den Münchener Philharmonikern arbeiten, selten so unverschult auftreten wie die Violinistinnen Nele Schaumburg, Kayako Bruckmann  und Juliane Färber, Ulrich Zeller (Kontrabass), Wolfhard Lippke (Akkordeon), Nicolas Kücken (Gitarre), Luka Stanković (Posaune), und Jakob Lakner (Klarinette).

Raum & Zeit

Credits

  • Text: Rolf Jäger
  • Kamera/Schnitt: Patrick Schwedler
  • Kamera: Thomas Nicolaisen
  • Ton: Peter Raffaelli
  • Standbild: Christoffer Greiß